Birgit Block. Ein Nachruf

Birgit Block | 21. Juni 1956 – 05. Dezember 2017

Am 5. Dezember 2017 verstarb viel zu jung unser Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied Birgit Block.

Birgit wurde am 21. Juni 1956 in Rodewisch im Vogtland geboren. Dort verlebte sie als Älteste von vier Geschwistern ihre Schulzeit. Schon sehr früh interessierte sie sich für die heimische Vogelwelt und wurde Mitglied der Fachgruppe Ornithologie in Falkenstein. Nach dem Schulabschluss ging Birgit in die Landwirtschaft. Sie wurde in der Tierproduktion Zootechnikerin. Es folgte ein Studium an der Agraringenieurschule in Quedlinburg, das sie als Agraringenieurin für landwirtschaftliches Versuchswesen erfolgreich beendete. In ihrer Studienzeit intensivierte Birgit ihre ornithologische Arbeit. Sie engagierte sich im Helferteam des Wildgansforschungsprojekts der Zentrale für Wasservogelforschung der DDR. Auch unter schwierigsten Witterungsbedingungen, wie sie im Herbst beim Fang und Markieren nordischer Gänse oft herrschten, erwies sie sich als tatkräftige, zuverlässige  und ausdauernde  Mitarbeiterin. Diese Eigenschaften zeichneten sie in ihrer weiteren behördlichen und ehrenamtlichen ornithologisch orientierten Naturschutzarbeit aus. Nach dem Studium erhielt Birgit ab 1978 eine Mitarbeiterstelle an der Vogelwarte Hiddensee. Dort erweckten die Waldohreulen ihr Interesse, die auf der Insel in hoher Dichte brüteten. Diese Art wurde später ein wichtiger Schwerpunkt ihrer ornithologischen „Nachtarbeiten“.

Tatendrang und Ausdauer kennzeichneten auch Birgit Urlaubsaktivitäten, die sie mit Zelt und Rucksack immer wieder zu ornithologisch interessanten Zielen nach Bulgarien führten. Sie kannte die Ohrenlerchen im Balkengebirge, die Felsenbrutplätze der Schwarzstörche und Gänsegeier am Kardzhali-Stausee und – sensationell – Rosenstare am Kap Kaliakra. Ihre interessanten Diaberichte von diesen Rucksacktouren haben viele von uns angeregt, gleiches zu probieren.

1984 wechselte Birgit von der Vogelwarte Hiddensee ins Havelland zur Naturschutzstation Buckow. Das Schutzprojekt „Großtrappe“ wurde für Jahrzehnte ihr dienstlicher und ab 1990 mit der Gründung des Fördervereins Großtrappenschutz e.V. auch ein ehrenamtlicher Arbeitsschwerpunkt. Sie war in alle Bereiche des Projektes involviert: Ankauf und Verwaltung landwirtschaftlicher Nutzflächen zum Ausbau des Schutzgebietes und zur Umsetzung des Flächenmanagements gehörten ebenso dazu, wie Monitoringaufgaben, die Zusammenarbeit mit Landwirten und Jägern, die Bergung gefährdeter Trappengelege, deren künstliche Bebrütung, die Kükenaufzucht und Auswilderung der Jungtrappen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit war sie mit Fachpublikationen und Besucherführungen aktiv.

Birgit hatte großes Geschick im Umgang mit Vogelpfleglingen. Vom Mauersegler bis zum Höckerschwan, alles was an „herrenlosen“ Nestlingen und verunglückten Altvögeln in die Naturschutzstation, ab 1998 Staatliche Vogelschutzwarte in Buckow, gebracht wurde, kam in Birgits Obhut und nach erfolgreicher Aufzucht bzw. Genesung zurück in die Freiheit. Eine enge Zusammenarbeit mit Tierärzten war dabei häufig unerlässlich.

In ihrer Freizeit hatte sie immer die Eulen im Blick. Sie war aktiv im Schleiereulenschutz tätig, verbunden mit der Ausbringung von Nistkästen, Bestandskontrollen und Beringung der Jungeulen. Im Rahmen eines Steinkauzschutzprojektes kümmerte sie sich um die Nachzucht in Volieren und Auswilderung von Jungkäuzen. Bei Kontrollen von Altholzbeständen der Behnitzer Heide erbrachte sie 1985 den ersten Brutnachweis des Rauhfußkauzes in Brandenburg. Bei diesen Aktivitäten arbeitete Birgit regelmäßig mit Ornithologen vor Ort zusammen und wurde besonders von ihrem Ehemann Peter intensiv unterstützt.

Große Anerkennung fanden die Ergebnisse ihrer Langzeituntersuchungen von 1984 und 2007 zur Bestandsdichte und Nachwuchsrate der Waldohreule auf einer 50 km² großen Kontrollfläche im NSG Havelländisches Luch. Ihre bemerkenswerten Forschungsergebnisse, Teil der Effizienzkontrollen über die Auswirkungen von Extensivierungsmaßnahmen auf Agrarflächen, hat sie in Fachzeitschriften, auf nationalen und internationalen Tagungen (z.B. 2007 in den Niederlanden, 2011 in Serbien) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Birgit wurde nicht nur im Mitarbeiter- und Freundeskreis für ihre freundliche Hilfsbereitschaft geschätzt. Sie bewies auch bei ihrer langjährigen verantwortungsvollen Betreuertätigkeit in Zusammenarbeit mit dem Vormundschaftsgericht ein hohes soziales Engagement.

Den Mitarbeitern im Förderverein Großtrappenschutz e.V. bleibt Birgit als engagierte, sachkundige und kollegiale Mitarbeiterin in Erinnerung.

Dr. Heinz Litzbarski

Literatur Birgit Block

  •  Block, B. & P. Block (1987): Zu einigen den Brutbestand und die Reproduktion der Waldohreule (Asio otus) beeinflussenden Faktoren. Populationsökologie Greifvogel- und Eulenarten 1: 385-398.
  • Block, B. & P. Block (1990): Zur Biologie und Ökologie der Waldohreule (Asio otus). Vogel und Umwelt 6: 29-37.
  • Block, B. & P. Block (1991): Zur Reproduktion und zum Fortpflanzungsverhalten der Waldohreule Asio otus. Populationsökologie Greifvogel- und Eulenarten 2: 434-444.
  • Block, B., P. Block, W. Jaschke, B. Litzbarski, H. Litzbarski & S. Petrick (1993): Komplexer Artenschutz durch extensive Land­wirtschaft im Rahmen des Schutzprojek­tes „Großtrappe“. Natur u. Landschaft 68: 565-576.
  • Block, B. (1993): Beziehungen zwischen den Gewichten erwachsener Waldohreulen Asio otus L.,1758 und ihrem Lebensraum. Natursch. Landschftspfl. Brandenburg Son­derheft 2: 38-42.
  • Block, B. (1996): Wiederfunde von in Buckow ausgewilderten Groß­trappen. Natursch. Landschaftspfl. Brandenburg 5: 76-79.
  • Block, B. (1998): Erfolgreiche Brut der Wiesenweihe (Circus pygargus L.) 1998 im Havelländischen Luch. Natursch. Landschaftspfl. Brandenburg 7: 239.
  • Block, B. (2000): 16 Jahre Untersuchung an der Waldohreule (Asio otus) im Landkreis Havelland – Brutbestand und Reproduktion in einem Untersuchungsgebiet von 50 km2. Natursch. Landschaftspfl. Brandenburg 9: 57-61.
  • Block, B.(2001): Waldohreule. In: Die Vogelwelt von Brandenburg und Berlin. ABBO 2001: 388 – 391.
  • Block, B. (2009): Long-term trends in population density and reproductive success of Long-eared Owls Asio otus in Brandenburg, Germany. In: Johnson, D. H., D. Van Nieuwenhuyse & J. R. Duncan (Hrsg.): Proc. Fourth Wold Owl Conf., Ardea 97: 439-443.
  • Langgemach, T., P. Sömmer, B. Block & T. Dürr (2009): Langzeituntersuchungen zu den Verlustursachen bei Greifvögeln, Eulen und anderen Vogelarten in Brandenburg. Popu­lationsökologie Greifvogel- und Eu­lenar­ten 6: 27-46.
  • Langgemach, T., B. Block, P. Sömmer, R. Altenkamp & K. Müller (2013): Verlustursachen beim Seeadler in Brandenburg und Berlin. Großvogelschutz im Wald. Jahresbericht 2013: 28-32.
  • Litzbarski, H., B. Block, P, Block, K. Holländer, W. Jaschke & B. Litzbarski (1996): Untersuchungen zur Habitatstruktur und zum Nahrungsangebot an Brutplätzen der Großtrappen in Spanien, Ungarn und Deutschland. Natursch. Landschaftspfl. Brandenburg 5: 41 – 50.
  • Thal, K., K. Ferner, B. Block & U. Zeller (2014): Vergleichende Untersuchungen zur Nahrungsökologie der Waldohreule (Asio otus) zu Beginn der Brutsaison im Havelland/Brandenburg. Eulen-Rundblick 64: 76-78.
  • Block, B.(2015): Die Waldohreule (Asio otus) als Brutvogel im Westhavelland. In: Im Land der Gänse und Kraniche – 50 Jahre Fachgruppe Ornithologie Rathenow: 77 – 84.

Es wurden keine Ergebnisse gefunden, die deinen Suchkriterien entsprechen.
keyboard_arrow_up
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner